Stefan Schulz in der FAZ meint Lasst sie nur machen:
Welches Bild haben die Politiker der Piratenpartei eigentlich vom Bürger? Der homo democraticus, der der Partei in ihrem Wahlprogramm vorschwebt, verfügt über ein enormes Zeitvermögen, interessiert sich für jeden Aspekt der Politik, und ihm steht der Sinn nach sozialer Verantwortung und abstraktem Engagement. Das ist wünschenswert und ebenso unrealistisch.
Der sog. homo democraticus will sich natürlich nicht für alle Aspekte interessieren. Ich möchte mich gar nicht zu allem äußern und an jeder Entscheidung aktiv partizipieren. Aber ich möchte die Möglichkeit haben, mich einzubringen, wenn mir ein Thema am Herzen liegt oder mich ganz konkret betrifft und zwar jenseits von Parteien, Petitionsausschüssen und Briefen an “meinen” Abgeordneten. Ich sehe auch keinen Grund, weshalb erfolgreiche Politik nicht mit Bürgern für Bürger gemacht werden kann. Der Autor konstruiert hier einen Widerspruch, den ich so nicht zu sehen vermag.
“Politische Theorien” sind ebenso Wandel und Moden unterworfen, wie andere Theorien auch. Es mag sein, daß momentan eher deskriptive Theorien en vogue sind, was aber nicht bedeutet, daß eine Rückkehr des Normativen ausgeschlossen ist. Ich habe den Eindruck, zur Zeit herrscht eher ein Zuviel an Pragmatismus, der den Blick auf das Gesamte verstellt. Und wenn die Politik ständig auf die “Alternativlosigkeit” ihres Handelns verweist, ist die Policy natürlich besser mit den so bezeichneten “modernen” Theorien zu beschreiben.
Zuletzt noch ein Zitat von Jürgen Habermas:
“Eine demokratische Wahl ist nicht dazu da, ein naturwüchsiges Meinungsspektrum bloß abzubilden; vielmehr soll sie das Ergebnis eines öffentlichen Prozesses der Meinungsbildung wiedergeben.”